Haus Neudorf e.V.

Forum für Gemeinschaft in Europa

Das Haus Neudorf feierte am 01.07.2017 sein 20-jähriges Bestehen. Dank der langjährigen Partnerschaft mit der internationalen Bewegung ATD Vierte-Welt konnte das Haus umfassend erneuert werden und wurde im Juli 1997 erstmalig bespielt durch ein deutsch-russisches Sommerlager. Die Einweihung des Hauses erfolgte im Oktober 2000. Öffentliche Förderungen und die Hilfe vieler Freiwilliger aus der Region und aus ganz Europa verhalfen der Begegnungsstätte zu jenem Antlitz, das sie heute besitzt.

Der Verein Haus Neudorf e.V. ist Pächter des Hauses und gestaltet heute in Kooperation mit anderen Vereinen das Haus Neudorf. Die Projekte und Angebote richten sich nach dem Selbstverständnisses des Vereins und seiner Unterstützer*innen aus und verfolgen das Ziel, zur Förderung der demokratischen Gesellschaft beizutragen. Dabei gilt richtungsweisend eine Verpflichtung auf Gerechtigkeit für alle: für Kinder, Jugendliche, benachteiligte Erwachsene und Familien und schließt das Bestreben nach Freiheit, Gleichheit und Teilhabe für jeden einzelnen ein.

Haus Neudorf e.V. ist anerkannter Träger der freien Jugendarbeit und Mitglied im Diakonischen Werk Uckermark.

Ein kurzer Blick zurück:

„Als im Herbst 1996 der damalige Amtsdirektor Herr Beck mit einer aufgeschlossenen Dame von der internationalen Bewegung ATD-Vierte Welt nach Neudorf kam und mich als Bürgermeisterin kontaktierte, mit der Bitte, das Gutsverwalterhaus in Neudorf besichtigen zu können, war ich zunächst nicht sehr angetan von der Idee, dass diese Bewegung aus diesem Haus eine Begegnungsstätte für das Forum zur Überwindung großer Armut errichten könnte. Ich dachte im Stillen: Was für eine Sekte soll nun in unserem Neudorf tätig werden? Diese aufgeschlossene Dame, Mascha Join-Lambert ließ aber nicht locker.

Dank dem Engagement eines Freundeskreises und im Einvernehmen mit der internationalen Bewegung ATD-Vierte Welt konnte im April 1997 ein Förderverein gegründet werden, welcher die Trägerschaft für den Betrieb des Hauses übernahm. Im Juli 1997 wurde das Haus erstmalig für ein deutsch-russisches Sommerlager benutzt. Ein Workcamp, das noch in den alten Gemäuern und mit einer Gulaschkanone vor dem Haus stattfand. Es begann eine europäische Zusammenarbeit mit Jungs und Mädels aus Moskau, Sankt Petersburg, Bordeaux und dazwischen die Jungs aus dem Dorf, aus Templin und Lübbenau.
Was waren das für Anfänge in diesem Haus? Die Jugendlichen aus dem Dorf und der Umgebung hatten wieder einen Ort der Begegnung. Junge Menschen aus aller Welt diskutierten hier in Workcamps und anderen Begegnungen über die Weltpolitik und ihre Rolle darin.

Plötzlich wurde das Haus zu einem großen Ameisenhaufen, vom Keller über den Garten bis zum Boden putzten die Ameisen, beizten, schleppten, hackten, fällten, sägten, malerten.., dabei vergaßen sie, dass sie Pastoren, Banker, Industrielle, Jugendliche, Frauen und Männer waren. Die Einweihung des Hauses erfolgte am 15.10.2000, anlässlich des Welttages zur Überwindung großer Armut, mit dem Bildungsminister Steffen Reiche und der Ausländerbeauftragten des Landes Brandenburg Almut Berger.

Mascha sagte einmal, die Uckermark sei steinreich. Ja sie hatte recht, und heute können wir sagen: Das Haus ist steinreich an Erfahrungen und Personen, die in diesen Mauern gewirkt und diskutiert haben, die sich Gedanken gemacht haben über die Zukunft und die Welt, in der sie leben wollen. Es ist reich an Menschen, die sonst kaum oder keine Stimme in der Gesellschaft haben, die hier gehört und aufgebaut wurden und immer noch werden.
Am 23.Mai 2006 bekamen wir den Freiherr-vom-Stein-Preis der Töpferstiftung verliehen.

Im Dezember 2010 hat Mascha ihre Arbeit in Haus Neudorf beendet und zum 01. 01.2011 bekam Haus Neudorf ein neues Leitungsteam, die Volontäre der internationalen Bewegung ATD-Vierte Welt, Heidi und Norbert Peter. Sie haben sich bereit erklärt, das Haus mit den Freuden und den Sorgen zu leiten und zu führen. Sie nahmen Kontakte in der Region, nach Berlin, Erfurt und Weimar, sowie nach Kielce und Stare Brynki in Polen auf.
Weit wurden die Türen geöffnet für die offenen informellen Treffen, für die jährlich durchgeführten Bausteinzeiten mit jungen Menschen aus Deutschland, Polen, Frankreich und der Schweiz, für Schulungen und Seminare. Ein großes Augenmerk legten wir auf die Familienfreizeiten, bei denen bedürftige Menschen, egal ob als Familie oder auch als Mitglied einer Organisation, die armutsbetroffene Menschen betreut, teilnahmen,… um an dieser Stelle nur einige Aktivitäten aufzuzählen.

Im Jahr 2016 wurden die Zeiten der Projektförderungen im europäischen Ausland schwieriger. Wir mussten neue Förderer und neue Jugendliche finden. Zusammen mit dem Verein MIKUB aus Berlin und Jugendlichen aus Kroatien und Serbien konnten wir 2016 ERASMUS+ geförderte Veranstaltungen realisieren.

Lange Zeit hing an der Bürotür ein Schild mit der Aufschrift: „Wirf die Flinte nicht ins Korn, sonst schmeckt das Brot nach Schrot“.
Heute besteht für uns noch lange kein Grund, die Flinte ins Korn zu werfen, aber es bleibt die Frage: Was kommt und wohin wollen wir uns als Verein „Haus Neudorf“ bewegen?
Die Zeiten schreien mehr denn je nach einem Haus wie diesem, in dem der europäische Dialog geführt wird, in dem sich Menschen wertfrei treffen und ohne Druck und Not über ihre Welt nachdenken und dann zusammen anpacken. Nur die Zeiten sind auch schwerer geworden.

Was bleibt, ist uns zu wünschen, dass wir weitermachen im Geiste dieses Hauses!“

(Auszug aus der Rede der Vereinsvorsitzenden, Sylvia Pahl anlässlich des 20-jährigen Jubiläums)

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