Haus Neudorf

Der Freundeskreis von Haus Neudorf e.V. baut seit 1997 ein offenes Haus als Forum für Begegnungen auf. Ein beständiges Team lebt und arbeitet als Gemeinschaft über soziale, kulturelle, nationale und Altersgrenzen hinweg. Wir erproben verschiedene Programme, um die Botschaft von Europa über die gleiche Würde jedes Menschen lebendig zu halten in der Welt von morgen.

 

Editorial

 

„Sie ignorieren uns“

„Gemeinsam haben wir entdeckt, dass Menschen in Armut, unter der ständigen Bedrohung durch Gewalt, durch Hunger, eine eigene Art zu denken und zu handeln entwickeln. Der Zwang des Überlebens und Widerstehens prägt ihre Moral. Sie erschließt sich nicht ohne weiteres dem, der solchen Druck nicht kennt. Leichtfertig wird er von der „Resignation“, ja von der „Apathie“ der Armen sprechen, wenn nicht von ihrer Verweigerung, mitzuwirken. Sehen wir denn nicht, wie erniedrigend es ist, betteln zu gehen oder Vater oder Sohn zum Betteln zu schicken? Ist es so schwer einzusehen, dass Menschen in Armut wenig bis nichts in den Händen halten, um sich aus eigener Kraft zu befreien? Entwicklungsstrategien, wo auch immer, werden ihnen aufgestülpt.

Und das bei so viel gutem Willen und wachsender Entschlossenheit vieler, sich zu engagieren – für den Frieden, gegen den Hunger, gegen die Ungerechtigkeit und die Armut! Aber wie ein Hemmschuh stellt sich die Angst vor der Armut dazwischen. Es ist, als mache diese sprachlos und blind für die Hoffnungen und die Gesten des Widerstands, für die Logik und das Denken derer, die unter ihr leiden.

Frieden gibt es nur, wenn Menschen als Friedensstifter wirken. Deshalb ist es unsere Aufgabe, Kommunikation und Nähe unter den Menschen wachsen zu lassen. Solche Nähe muss der Hoffnung und Sehnsucht jeder, die in größter Armut gefangen sind, Raum zur Entfaltung schenken. Einen Raum, in dem sie mitdenken können, mitwirken als Partner auf dem Weg zu Veränderungen und Frieden.“

Diese Zeilen wurden von Joseph Wresinski im Jahr 1983 niedergeschrieben. Sie haben auch im Jahr 2012 nichts an ihrer Aktualität verloren.

Herzlichen Dank allen, die auf unseren Jahresbrief, der Ende des Jahres in Ihrem Briefkasten lag, bereits mit einer Spende geantwortet  haben oder noch antworten werden.

 

Heidi Peter/Volontär ATD Vierte Welt in Deutschland e. V.