Haus Neudorf
Dank der Partnerschaft mit ATD International, öffentlicher Förderung und der Hilfe vieler Freiwilliger aus der Region und aus ganz Europa konnte das „Haus Neudorf’ im Oktober 2000 eröffnet werden. Der Verein ist heute anerkannter Träger der freien Jugendarbeit und Mitglied im Diakonischen Werk Uckermark; er arbeitet in diesem Rahmen überkonfessionell.
Editorial
„Nicht müde werden sondern dem Wunder leise wie einem Vogel
die Hand hinhalten“
Hilde Domin
Nach einem langen Winter, in dem der Wind oft in heftigen Böen ums Haus pfiff und wir von unserem Fenster auf eine karge, verschlafene Landschaft schauten, erwacht so langsam vor unseren Blicken die Natur und die ersten warmen Sonnenstrahlen berühren uns wie ein kleines Wunder.
Es sind in den letzten Monaten viele kleine Wunder geschehen – Wunder im Alltag – Wunder, die geschehen, wenn wir an Hoffnung, an Zukunft glauben, die sich durch unser Tun gestalten lässt. Wunder, die im Kleinen geschehen, die wir wahr nehmen, wenn wir genauer und liebevoller hinschauen, ihnen behutsam unsere Hand hinhalten – geduldig, immer wieder, nicht müde werdend.
Eines dieser kleiner Wunder ist die Begegnung mit dem kleinen polnischen Dorf Stare Brynki auf der anderen Seite der Oder. Der Besuch von Vertretern des Dorfvereines Anfang März, das Verstehen und die Herzlichkeit, die sofort spürbar sind. Unsere Fahrt am 24. März mit einer Gruppe aus Neudorf nach Stare Brynki. Zu sehen, wie ein kleines Dorf sich nicht abfindet, der Geschichte und ihren Zeitläufen nur ausgesetzt zu sein, vergessen zu werden, abgehängt.
Zu spüren, wie Freundschaften und neue Kraft entstehen können, wenn Menschen sich zusammen tun und im wahrsten Sinne des Wortes Grenzen überwinden: soziale, nationale, persönliche Grenzen – und ganz leise Neues wagen.
Ein anderes Wunder ist für mich auch die Zusammenarbeit mit der 11. Klasse Soziales des Beruflichen Gymnasiums in Eberswalde. Zu erleben, wie junge Menschen sich auf ein Thema einlassen können, das ihnen nicht wirklich nahe ist, ihnen vielleicht auch Angst macht: die Beschäftigung mit sozialer Ausgrenzung, mit Erziehungs- und Denkmustern am Beispiel der NS-Erziehung, an der Auseinandersetzung mit dem Jugendschutzlager Uckermark und dem Umgang heute mit Anderssein.
Aus Irkutsk am Baikalsee hat sich Denis gemeldet, ein junger Mann, der vor zwei Jahren in Haus Neudorf mit den Baikalscouts den Sommer verbrachte und nun mit vier Freunden, Deutschstudenten, wiederkommen möchte, um uns tatkräftig in der Bausteinzeit zu unterstützen und die Beziehungen nach Sibirien weiter auszubauen. Ein schönes Wunder wäre es, wenn wir dafür einen Betrag von 1.200 € an Spenden zusammenbrächten. Das wären die Hälfte der Reisekosten, mit denen wir sie unterstützen möchten, damit die Reise zustande kommen kann.
Herzliche Frühlingsgrüße aus der Uckermark
Marina Wieland

