Revolutionäres Erbe

Anfang September wurden in Frankreich vier Gewerkschaftsmitglieder zu Bewährungsstrafen verurteilt. Sie hatten ein Verwaltungsgebäude stark beschädigt im Kampf um den Erhalt eines Produktionsstandortes ihrer Firma . Spricht im Urteil der gesunde Menschenverstand, oder soll mit Angst um die Zukunft ohnmächtige Wut im Keim erstickt werden? In Deutschland verhehlen manche nicht, daß es „mal richtig knallen“ sollte. Doch „Knall“ zerstört sich selber. Die Fragen der industriellen Produktion und des Klimawandels sitzen weiter im Nacken.

Ich möchte einmal für eine „konstruktive Revolte“ plädieren. Mehr MitbürgerInnen könnten sich ein Herz fassen und sich mit denen zusammentun, die schon neue Lebensformen erfinden:

  • Schulen als Lebensräume für Kinder und Eltern, gesunde und behinderte;
  • Betriebe als Orte von Wertschätzung, qualifizierender Beschäftigung, gewaltlosem Marketing;
  • Wohnorte in Mehrgenerationshäusern;
  • Regionale Handelswege mit geringem Ölverbrauch, gerechten Preisen für Produzenten, wählerischen VerbraucherInnen.

Lebenserfindergeist ist gefragt. Es gibt einen „Markt für besseres Zusammenleben“. Ja, er enthält Risiken. Wenn aber auch insolvente MitbürgerInnen, also Menschen mit sehr geringem Einkommen, mitgenommen werden, dann eröffnen solche Wege auch die Befreiung vom Zwang, den Wettlauf zum „Mehr als der Nachbar“ gewinnen zu müssen. Ein „einfaches“ Leben auf dem Prinzip Teilen bringt eine andere Form von Sicherheit zum Tragen.

Keineswegs lächerlich. Allein in Europa gehören sie zum gesicherten „revolutionären Erbe“ seit weit über 1000 Jahren: von Benedikt von Nursia zum Abbé Pierre oder Joseph Wresinski über Franz von Assisi waren es stets geistliche, wirtschaftliche und gemeinschaftliche Initiativen, die in Krisenzeiten wenn auch nicht die Erneuerung, so doch die Fähigkeit dazu absicherten.

Mascha Join-Lambert

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