Liebe Freunde von Haus Neudorf,

Was es heißt, im Finstern auf ein „großes Licht“ (Jes. 9,1) zu warten, spüren wir in der Uckermark, buchstäblich, hautnah. Ab vier Uhr nachmittags ziehen Nebel und  nächtliches Schweigen aus den Feldern über das Haus, über den Garten, über den Hof. Nur Wind und Regen haben etwas zu sagen.

Dann ist es gut, sich nicht allein zu wissen. Dann tut es gut, sich an „großes Licht“ erinnern zu dürfen: an gemeinsame Feste, an gegenseitige Hilfe, an Vertrauen, über das man sich freut.

Viel gäbe es zu erzählen vom Advent, diesem „Kommen“, welches wir mit Sicherheit erwarten dürfen, welches die Hoffnung der Menschen bestätigt. Im Haus Neudorf war das Jahr nicht leicht, aber siehe da: im Herbst waren wir plötzlich 12 MitarbeiterInnen, Freiwillige und Praktikanten, jede und jeder bereit, sich einzubringen, beizutragen und mitzudenken, in Offenheit etwas zu lernen über Achtung und Schutz von Menschenwürde heute, seine Erfahrungen damit zu machen. Wir wissen noch nicht, ob wir finanziell all dies Engagement langfristig werden tragen können. Aber es ist einfach da, und das macht uns erfinderisch und gibt uns Mut.

Unter den Freunden des Hauses erleben wir freilich auch Verzweiflungen. Da hat eine Mutter Angst vor dem Tag, an dem sie ihrem Sohn in Handschellen vor Gericht begegnen wird; da ahnen wir, dass Menschen ihre Bleibe verloren haben und trotz Überlebenskünsten nicht mehr weiter wissen; da weint ein guter Freund am Telefon: „Wenn wir von unserer Hände Arbeit nicht mehr leben können, dann …“ – dann muss man doch Revolution machen – verbietet er sich zu sagen, er, der schon zu viel Gewalt gekannt hat und sich nach nichts so sehr sehnt, wie nach einem Leben in Frieden.

Ja, da stehen wir vor den eigenen Grenzen, suchen Antworten bei Sozialarbeitern, bei Politikern. Aber behutsam führen uns unsere Freunde zu ihrer Hoffnung: „Ich möchte, dass Du meine Schwester kennenlernst“. „Sprechen Sie doch mal mit meiner Tochter.“ „Dürfte meine Mutter auch mal nach Neudorf kommen?“, fragt ein junger Erwachsener, dessen Zuhause ihm verwehrt ist, der wie die Anderen auch als Alleinstehender gilt.

Die Hoffnung von Menschen, die Mangel oder Abweisung erlebt haben, kennt ihre eigenen Wege. Sie möchte uns dabei an der Hand nehmen: Sie sucht Nähe, Freundschaft, Vergebung. Sie ahnt, wo die Lebenskraft der Liebe sich versteckt hält. Sie traut uns zu, beim Suchen zu helfen – wenn wir ihr gehorchen lernen. Vielleicht geht die Hoffnung dieser Menschen schon den Weg, den Christen den Weg zur Krippe nennen – zum Licht im Finstern.

Wir dürfen uns solche guten Wege wünschen, über Weihnachten ins nächste Jahr hinein.

Ihre Mascha Join-Lambert

P. S.

Liebe Freunde, wir danken Ihnen auch für die Nähe und Hilfe, z. B. :

  • für die Arbeitsplätze für Menschen vor Ort,
  • für den Freiwilligenaustausch mit Russland und Polen,
  • für die KunsTrotzTarmut – Projekte mit Erwachsenen,
  • für die baubehördlich geforderte Brandschutztreppe, die noch nicht gebaut werden kann, weil uns die Mittel fehlen.

Wenn jeder von Ihnen nur 5,00€ spendet und eine andere Person findet, die auch 5,00€ spendet, dann werden wir sehr schnell den Grundstock für die Brandschutztreppe haben und Gäste ohne Unterbrechung empfangen können.

Wir würden uns freuen, wenn Sie uns an Freunde und Bekannte weiterempfehlen.

Friedenfelde, Advent 2008

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