Im Westen was Neues

Der Wahlkampf in den USA bringt Gedanken an die Oberfläche, die auch uns Europäer anregen können.

Berenice King, die Tochter des 1968 ermordeten Martin Luther King, erzählt in einem Interview (1) von ihrem langen Weg, die Furcht vor Anderen sowie innere Widerstände zu überwinden, um in die Fusstapfen ihres Vaters zu treten. Heute lebt sie ihrerseits als Pastorin in ihrem Umfeld, ihrer „Community“, für Versöhnung zwischen Schwarz und Weiß.

Barack Husain Obama stellte sich kurz vor Ostern der Frage des Rassismus (2). Er, der in der eigenen Familie beide Seiten vereint, macht glaubhaft, daß die US-Gesellschaft sich nur dann in Richtung sozialen Zusammenhaltes entwickeln kann, wenn BürgerInnen lernen, ihre gegenseitigen Erfahrungen wahrzunehmen und zu berücksichtigen – auf allen Ebenen. Zwei ermutigende Dokumente. Mag sein, daß solche Vorstellungen von Zivilisation nicht mehrheitsfähig sind. Mag sein, daß sie hinderlich sind bei der Ausübung von Macht. Der Zuspruch jedoch, den sie auslösen, gibt ihnen schon heute Schwung, Zukunft zu gestalten.

Das geht uns Europäer etwas an. Europa liegt als Neuland vor uns – soziales, zivilisatorisches – nicht hinter uns. Was hat der Andere erfahren, der mir Angst macht – der gewalttätige Jugendliche, der brutale Vater, der osteuropäische Arbeiter, der fanatisierte Muslim……. Welches ist die Geschichte derer, die ich verachte – die verwahrloste Mutter, die Leute vor den Suppenküchen… Wo und wie werden wir lernen, miteinander zu reden?

Zur Autorität glaubwürdiger Leitkultur werden wir nur gelangen, wenn mehr Menschen den Weg durch die Furcht hindurch zur freien Menschlichkeit finden. Ja, das können wir.

Mascha Join-Lambert

Bernice King : „Ça bout sous la surface“ LeMonde.fr, 16.02.08
Barack Obama: „A More Perfect Union“ http://barackobama.com, 18.03.08

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