„Hoffnungslosigkeit“ für Kinder in Deutschland, sagt UNICEF!

1979 war das Internationale Jahr des Kindes. Da gaben die Mitarbeiter und Volontäre von ATD Vierte-Welt in Europa ein Weissbuch heraus, zusammen mit Kindern, deren Alltag sie miterlebten. Sein Titel lautete: „Politik für das Kind für die kommenden zwanzig Jahre“ (*). Die Regierungen wurden darin u.a. aufgefordert, der UNICEF Mandat zu geben, auch der Kinderarmut in den reichen westlichen Industrieländern nachzugehen. Wir setzten große Hoffnungen darauf.

Mit Hilfe vieler anderer NGO’s gelang es und wurde inzwischen fast Tradition. Die UNICEF – Berichte, so auch der jüngste, kommen jedoch einer nach dem anderen zu denselben Schlüssen und Forderungen wie wir vor 30 Jahren: Armut beschneidet Zukunftschancen von Kindern in allen Bereichen. UNICEF nutzt heute das Wort „Hoffnungslosigkeit“ für Kinder in unserem Land!

Das Beeindruckende: mußten vor 30 Jahren weniger als 3% der Familienhaushalte in Deutschland mit einem Einkommen um die Armutsgrenze herum (damals ca. 1000DM) auskommen, so hat sich der Anteil heute vervielfacht.

Was ist dringend daraus zu lernen?

Wenn nicht gehandelt wird, so lange der Misstand „nur“ eine kleine Minderheit betrifft, stehen der Verarmung und Verachtung Tür und Tor offen:

Während 40 Jahren Sozialhilfegesetzen interessierte es in Deutschland wenig, daß 3% der Familien jeden Pfennig umdrehten, sich mit erniedrigenden Kontrollen arrangieren mußten, daß in manchen Wohngebieten alle Kinder zur Sonderschule fuhren….

 Wenn die betroffenen Menschen nicht ernst genommen werden, erreicht sie keine der ihnen zugedachten Maßnahmen.

Wenn Programme in Kommunen oder auf Länderebene vorgestellt werden, heißt es oft am Schluß: „Und jetzt kümmern wir uns um die Teilhabe der Betroffenen“. Schade! „Ernst nehmen“ hieße: Geld dafür ausgeben, daß zuerst zugehört wird, und zwar Allen.

 „Was Du nicht mit uns tust, tust Du gegen uns“, gab ein Familienvater in Brüssel der deutschen Freiwilligen Elisabeth Langner mit auf den Weg. Ein Jahr lang hatte sie bei Strassenbibliotheken geholfen. Das gilt uns allen, die wir uns Menschen in Armut nähern.

 Louis u. Mascha Join-Lambert, Anneliese Oeschger u. Paul King; Wolfgang u. Angelika Otten

ATD Vierte-Welt Volontäre in Deutschland Mai 2008

 

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