EIN GUTER ORT

„Als ich im Dorf das Haus sah und hinauf fuhr, wusste ich, dass ich mich hier wohlfühlen würde“. So Sandra Leu aus Brüssow bei Prenzlau. Sie verlebt seitdem ihr Freiwilliges Soziales Jahr mit uns. Sie ist Uckermärkerin: so schnell beeindruckt sie nichts; sie kennt die Landschaft, ihre Dörfer und Gutshäuser, ihre Menschen sind ihr vertraut.

„Karolina und Asja, zwei polnische Praktikantinnen, erklärten mir alles, und nach dem Gespräch mit Marina Wieland war beschlossen: ich komme hierher.“ Was war die Alternative gewesen? Ein Einsatz in Moldavien.

Was ist „ein guter Ort“?

Wo Aufmerksamkeit ist. Wo man den Andern aushält, weil er oder sie sich auch die Mühe macht, mich auszuhalten.
Wo ich auch mal ein Konzert oder einen Vortrag aushalte, weil ich erlebe, wie andere sich bemühen, es für mich zu organisieren.

Wo man aufbrechen kann, und innehalten; sich einlassen, aber auch weitergehen. Wo die Natur gut tut, und man dann wieder ins Haus und zu den Anderen kommt.

Es ist schwer zu sagen, warum Haus Neudorf ein Guter Ort ist. Es ist so wie von selber, und es ist nicht selbverständlich. Wie eine Kornblume: sie gehört ins Feld, aber ist gefährdet und kann jeden Moment geschnitten werden.

Es ist ergreifend, an einem Samstagmorgen im heissen Sommer aus dem Haus zu treten, und eine Mitarbeiterin beim Blumengiessen zu finden, die eigentlich frei hat, aber sich um die trockenen Beete sorgt. Und am Sonntag von einer Anderen angerufen zu werden, die mitteilen will, daß sie außer der Reihe ins Büro kommen wird, weil eine Abrechnung dringend ist. Und so machen es Alle, zum Teil seit Jahren.

Möge uns dieser Geist erhalten bleiben. Dann wird er sich auch fortpflanzen, auch hier in der Region. Dann werden ihn auch junge Menschen aus der Uckermark in die Welt tragen können, wo andere nur darauf warten, zum Beispiel vielleicht nach Moldavien, in eins der vergessenen Länder Europas, wo „Haus Neudorf“ schon längst hätte angekommen sein sollen.

Aus Haiti schrieb Père Joseph Wresinski einen Brief am 22. Juli 1981 (bevor eine Volontärin dann dort in einer Schule in den Bergen den Einsatz begann): „Warum sind wir nach 25 Jahren ATD immer noch dem gemeinsamen Leben in dieser ganzen seufzenden Welt fern? Haben wir nicht eine weltweite Berufung? Waren denn die Familien in Europa, die wir so geliebt haben, nicht auch Rufer im Namen der Familien auf der Welt? Haben durch sie nicht auch Familien aus der ganzen Welt um unsere Aufmerksamkeit gebeten und erwartet, daß wir das erstickte Pochen ihrer Hoffnung wahrnehmen?“

Ein „Guter Ort“, um dem Guten und der Hoffnung Raum zu schaffen, in unserer Region, unserem Land, Europa und weltweit.

Gute Lektüre unseres Jahresberichtes (Download PDF 1,7 MB) wünschen alle Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen von Haus Neudorf mit Louis und Mascha Join-Lambert

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