Was ist den Europäern die Bekämpfung von Armut wert?

Jean-Claude Juncker, Ministerpräsident von Luxemburg meinte kürzlich (1), so lange in Europa 50 Millionen Menschen mit der Armut zu kämpfen hätten, könnte von einem Erfolg des europäischen Projektes noch keine Rede sein.

In einem Bericht an die französische Regierung (2) schreibt Michel Camdessus, ehemaliger Direktor des IMF und Ehren-Gouverneur der Banque de France, bei der Zinspolitik für die staatlich verwalteten Sparguthaben dürfe man nicht vergessen, dass diese Guthaben den öffentlichen Wohnungsbaugesellschaften zur Verfügung gestellt werden. Damit sollen sie bezahlbaren Wohnraum bereitstellen können und den ärmsten Bevölkerungsschichten, etwa 1 Million Menschen, zu einer Wohnung verhelfen.

„Es kann nicht sein, dass Menschen in der kalten oder dunklen Wohnung sitzen, weil das Geld nicht reicht“, hören wir soeben (3) vom Präsidenten von Vattenfall – Europe. „Es sollte einen Sozialtarif für Elektrizität geben.“
Hier bahnt sich ein Diskurs den Weg, der die praktischen Fragen zur Lösung sozialer Schieflagen unter Berücksichtigung langfristiger Sozialkosten von Verarmung und Armut angeht. Das ist in dieser Form neu. Er spielt die Selbstverantwortlichkeit der BürgerInnen und die gesellschaftliche Verantwortung nicht gegeneinander aus, sondern setzt sie in Partnerschaft.

Übrigens: Herr Camdessus und seine Gattin waren zu Gast bei den „Gesprächskreisen Vierte-Welt“ in Washington, DC, wo BürgerInnen mit sehr unterschiedlichen Lebenserfahrungen ins Gespräch kommen. Ministerpräsident Juncker verfolgt seit vielen Jahren die Bemühungen der ATD Vierte-Welt in Luxemburg, um sehr benachteiligten Familien ihre Stimme zu geben. Haus Neudorf mit seinem „Forum“ will sich in diese Dialoge einreihen.

(1) „Sabine Christiansen“,13.1.08
(2) Vom 21.12.07, in: „Le Monde“, 16.01.08
(3) Deutschlandfunk, 21.1.08

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