17. Oktober 2008 – 21. UNO-Tag zur Armutsbekämpfung

Liebe Freunde,

Das Wort „Armut“ war verpönt, als wir 1992 den Text des Aufrufs zur „Ehrung der ungenannten Opfer von  Hunger, Unwissenheit und Gewalt“ nach Berlin brachten, ihn neben der „Mauer“, auf alten Berliner Gehwegplatten eingemeißelt, niederlegen ließen. Wir mussten es immer umschreiben.

„Armut klingt so deklassierend“, sagte eine Bekannte aus Mecklenburg-Vorpommern, die nur zu gut wusste, worum es geht. Mit „Du bist doch nicht arm“, wurde einer Nachbarin der Mund verboten, die dann heimlich davon erzählte, wie sie nie hatte lernen können, nie durfte. Und nur im ganz persönlichen Gespräch erzählte eine andere Frau von ihrer Angst vor den Kollegen im Kollektiv, wo sie sich gemobbt fühlte, sie, die ihre Kinder zur Adoption hatte geben müssen. Bindungsarmut, Bildungsarmut, Hoffnungs-Armut – die Menschen schluckten sie in sich hinein.

Die Zeiten haben sich geändert. Heute schützen Polizisten in der Uckermark Menschen, die gegen die Deklassierung durch die Umsetzung der ALG-II – Maßnahmen öffentlich einzutreten wagen. Andere gründen selber einen Sozialverein, um der Verelendung zu begegnen, die sie täglich sehen. Hier spricht uns ein Hauptmann der Freiwilligen Feuerwehr an, gestern eine Hebamme, heute ein Bürgermeister, eine Kita-Leiterin. Soeben der Anruf des Sozialarbeiters aus einem Jugendheim.

„Das Wohnviertel kippt“. „Die Menschen erschießen sich“. „Die Arbeitslosigkeit macht aus Familienvätern gewalttätige Männer“. „Die Kinder lebten in meiner Nachbarschaft und ich war ohnmächtig“. „Ein Kind, das weder Vater noch Mutter hat, die es ehren darf, geht zugrunde“. [Das sagen schon lange die Psychiater, übrigens auch die Zehn Gebote.]

Wann können wir zusammen darüber sprechen, diejenigen, die es erleben, und die, die sich große Sorgen machen?

Denn Antworten gibt es. Sie werden auch ausprobiert. Ihre Schlüssel heißen: „Wertschätzung“, „Ehrgeiz“, „Gemeinschaft“, „Nützlichkeit“. Wir müssen nicht die Welt neu erfinden, aber Viele müssen ohne Angst den ersten Schritt aufeinander zu wagen.

Der Termin in Berlin am 17. Oktober – und in München, und in Leipzig … wie an hundert Orten weltweit, wo dieser Tag gemeinsam ein JA zum Leben in der Fülle seiner Würde ist, lädt ein.

Ihre

Mascha Join-Lambert
Geschäftsführerin

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