1. Juni 2010

Gift und Geist

Das Öl läuft und läuft und läuft. Worte und Zahlen überholen sich, schillern, laufen und laufen.

Um die Wette zerstört man die physische Substanz unserer Erde und die Substanz des Vertrauens unter ihren Bewohnern. Welches Übel wirkt verheerender?

Wir aber wollen leben!

Unter den Brücken von Manila trotzen Familien dem Wasser und der Bodenspekulation ein Leben ab in gegenseitiger Hilfe; die Haitianer wie so Viele anderswo ertrotzen sich das Recht auf Zeit: Zeit zu trauern,
Zeit, sich untereinander zu organisieren.

Ist das der Instinkt des Überlebens – oder „weht der Geist“, wie man sagt, unter den Menschen?

Dieser Tage, in Erinnerung an das Kriegsende, erzählte ein belgische Frau, daß ein deutscher Soldat ihr als Kind Bonbons angeboten hatte. Da sie ablehnte, habe er sie fast angefleht und auf seine eigenen Kinder verwiesen.  Aber für sie war er Besatzungsmacht, natürlich. Jedoch vergass sie die Episode nicht und engagierte sich später in einem Versöhnungswerk.

Das Gift der Macht, der Lüge, des Zweifels – es läuft, läuft, und läuft. Aber die Lebenswut der Menschen nährt sich auch vom Verlangen nach Menschlichkeit. Es entdeckt sich manchmal als Hoffnung. Aus den Tiefen  schöpft es Vertrauen. Dieses quillt auch, und quillt und quillt.

Daran erkennen wir Menschen uns gegenseitig. Darin sprechen wir die gleiche Sprache.

Frohe Pfingstzeit wünscht

Mascha Join-Lambert